Aller Anfang war schwer

Gefordert hatten es die Hörgeschädigtenverbände schon immer. Sie wollten nicht länger aus dem bewährten und erfolgreichen Notrufmeldesystem der Bundesrepublik Deutschland ausgestoßen sein. Sie wollten, genau wie gut hörende Menschen auch, die beiden bundeseinheitlichen Notrufnummern 110 und 112 mit einem Notfall-Telefax erreichen können. Da sie nicht telefonieren können, bietet sich ein Fax geradezu an. Auch technisch sollte dies möglich sein, wie von kompetenter Seite immer wieder zu hören war.

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es ca. 14 Millionen schwerhörige und ertaubte Menschen. Dazu kommen noch einmal gut 80.000 Gehörlose und die vielen Sprachgeschädigten. 1,5 Millionen dieser Betroffenen können nachweislich nicht mehr telefonieren. Im Fall eines Notfalls sind sie entweder auf die Hilfe anderer angewiesen oder bleiben hilflos ihrem Schicksal überlassen.


Abhilfe

Die Abhilfe sah so aus, dass die bundesdeutschen Leitstellen von Polizei und Feuerwehr nur über gebühren- und vorwahlpflichtige Telefax-Rufnummern zu erreichen waren. Nicht selten waren diese Rufnummern bis zu 12 Stellen lang. Wenn man nun bedenkt, dass es alleine über 300 Feuerwehrleitstellen in unserem Land gibt, kann man sich einfach ausmalen, dass Betroffenen solch ellenlange Rufnummern nicht behalten können. Abhilfe tat daher Not...

Der faxfähige Notruf über 112 und 110

Eigentlich wollte der Deutsche Schwerhörigenbund e. V. eine eigene Notfall-Telefax-Nummer realisiert sehen. Man hatte sich intern für die 113 ausgesprochen. Doch durch intensiven Kontakt zu namhaften Brandschutzbehörden und politisch Verantwortlichen stellte sich schnell heraus, dass dieses Ansinnen in Leere laufen würde. Dies nicht zu Letzt auch deswegen, weil die 112 als einheitliche europäische Notrufnummer vorgesehen war.

So schloss man sich schließlich den Brandschutzbehörden an, hier insbesondere der Branddirektion Frankfurt am Main. Diese hatte nämlich zwischenzeitlich herausgefunden, dass man die 112 auch mit einem Telefax erreichen konnte. Technisch war das kein Problem und Kosten verursachte die Aufrüstung auch nicht wesentlich. Mit Hlfeeines sogenannten Verbindungssatzes löste man in Frankfurt am Main das ganze Problem.

Um seinen Forderungen nach einer Einführung des bundesweiten Faxnotruf über 110/112 mehr Gewicht zu verleihen, startete der Deutsche Schwerhörigenbund e. V. eine bundesweite Unterschriftenaktion. Am Ende konnten über 10.000 Unterschriften gesammelt und dem damaligen Vorsitzenden der Inneministerkonferenz, dem Bremer Innensenatort Dr. Kuno Böse, übergeben werden. Eine weitere Unterschriftenaktion erbrachte 2006 nochmals über 7.000 Unterschriften, die dem damaligem bayerischen Innenminister Dr. Günther Beckstein in München übergeben wurden.


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